Warum geht es der Wirtschaft in Deutschland schlechter als in den USA?

Für Ralf Wintergerst, den Präsidenten des Digitalverbands Bitkom, ist die Sache klar: Die politischen und finanziellen Strukturen behindern die Entwicklung Tech-Konzerne. Anders als Amerika oder China seien Deutschland und Europa schwerfällig und langsam, sagte er Club Wirtschaftspresse München. „Wir sind politisch im Kern kaum handlungsfähig. Europa ist von der Geschwindigkeit her dramatisch hinterher“, so Wintergerst – vor allem wegen der föderalen Strukturen und der damit verbundenen Veto-Rechte. „Wir haben viele Chancen, aber wir können sie nicht materialisieren.“

Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst (Mitte) beim Club-Gespräch im „Tiroler Stüberl“.

Auch die Finanzierung junger Unternehmen blockiere deren Entwicklung. Anders als in den USA seien deutsche Firmen vor allem mit Krediten finanziert. Banken bangten um ihre Kredite und bremsten eher, wenn Unternehmen Neues wagen wollten.

Wintergerst führt hauptberuflich das als Banknotendrucker bekannte Münchner Unternehmen Giesecke+Devrient. In den vergangenen Jahren hat er die Traditionsfirma zu einem der führenden Anbieter digitaler Sicherheit entwickelt und den Umsatz damit verdoppelt. „Wir hatten vor zehn Jahren wirklich Probleme“, sagte er. „Die Bereitschaft, das eigene Geschäft über den Haufen zu werfen, hat uns nach vorne gebracht.“ Das Unternehmen sei bereit gewesen, sich auch selbst Konkurrenz zu machen – etwa durch die Ablösung der – vom Unternehmen mitentwickelten – physischen SIM-Karte für Handys durch die heute gebräuchliche eSIM.

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